Trend Watch: Genussreisen im Spätherbst
Wenn die Erntezeit zur Reisezeit wird
Neue Orte im Herbst zu entdecken, ist weit mehr als Balsam für die Seele. Es ist ein sinnliches Erlebnis, das Farben, Aromen und Traditionen miteinander verbindet. Wenn die Temperaturen milder werden und die Landschaft in warmen Tönen leuchtet, beginnt die Zeit der Ernte – und damit jene der kulinarischen Höhepunkte. Ob bei der Weinlese, auf Trüffelsuche oder beim Olivenpflücken: Diese außergewöhnlichen Destinationen laden dazu ein, tief in die Welt des Genusses einzutauchen.
Wein, Stille und Geschichte im Duero-Tal
Am Ufer des spanischen Duero eröffnet sich ein wahres Paradies für Liebhaber großer Weine. Eingebettet in sanfte Hügel und endlose Reben liegt ein ehemaliges Kloster, das heute zu den eindrucksvollsten Weinresorts Europas zählt. Hier ist alles vom Winzerhandwerk inspiriert – vom Spa über die Architektur bis hin zur preisgekrönten Küche.
Die friedliche Stille der Weinberge wird lediglich vom leisen Summen der Bienen durchbrochen, die sich im Lavendel entlang der Wege tummeln. Nur zwei Stunden nördlich von Madrid scheint die Zeit plötzlich langsamer zu vergehen. Natur soweit das Auge reicht – und mittendrin das Abadía Retuerta LeDomaine, eine Abtei aus dem 12. Jahrhundert, die Ruhe und Raffinesse meisterhaft vereint.
Das Anwesen verbindet historischen Charakter mit modernem Komfort und versteht es, Erholung und Kulinarik auf höchstem Niveau zu vereinen. Ein besonderes Erlebnis bietet der Mönchsgarten: Hier dürfen Gäste selbst Bio-Gemüse ernten, das anschließend frisch zubereitet wird. Im September und Oktober lockt zudem die Weinlese. Mit Strohhut und Schürze ausgestattet, werden die Trauben von Hand gelesen – inklusive erster Kostprobe des künftigen Jahrgangs.
Wein ist in der Abadía Retuerta allgegenwärtig. Selbst das Spa Sommelier rückt die Kraft der Traube in den Mittelpunkt. Kulinarisch kuratiert von Chefkoch Marc Segarra, ist jedes Gericht von den edlen Tropfen der Region inspiriert. Über 400 Etiketten lagern im Weinkeller. Vom Michelin-prämierten Restaurant Refectorio, dem einstigen Speisesaal der Mönche, bis zur rustikalen Vinoteca mit Tavernencharme ist diese Reise so vielschichtig und vollmundig wie die Weine des Duero-Tals selbst.
Trüffelsuche in der Toskana
Die Toskana gilt als Wiege der Renaissance – und zugleich als Ursprung zahlreicher kulinarischer Ikonen. Neben Wein und Olivenöl zählen vor allem Trüffel zu den kostbarsten Schätzen der Region. Schon der erste Blick auf das Anwesen Castelfalfi ist beeindruckend: Wie ein mittelalterliches Dorf angelegt, bewegen sich Hotel und Villen elegant zwischen Vergangenheit und Gegenwart. Außen historisch, innen luxuriös – umgeben von unberührter Natur.
Kulinarisch spielt das Haus in der obersten Liga. Die Restaurants folgen konsequent der „Zero Food Miles“-Philosophie, bei der die Zutaten fast ausschließlich aus der unmittelbaren Umgebung stammen. Das Ergebnis schmeckt man mit jedem Bissen – ob im fein interpretierten Olivina oder im Il Rosmarino, wo die traditionelle Küche der Toskana zelebriert wird.
Besonders spannend wird es jedoch abseits der gedeckten Tische. Auf dem Anwesen werden nicht nur Olivenöl und Wein produziert, sondern auch sieben der neun italienischen Trüffelsorten verarbeitet. Mit etwas Glück findet man sie sogar selbst: Gemeinsam mit einem erfahrenen Tartufaio und seinem Suchhund geht es in die duftenden Wälder. Der Experte führt durch die geheimnisvolle Welt der unterirdischen Delikatesse und teilt sein Wissen – perfekte Anekdoten für das nächste Dinner unter Freunden.
Olivenernte im Herzen Portugals
Auch wenn Ausschlafen verlockend klingt, lohnt es sich im São Lourenço do Barrocal, früh aufzustehen. Wenn die ersten Sonnenstrahlen über das historische Anwesen gleiten, entfaltet sich eine beinahe magische Stimmung. Nach einem farbenfrohen Frühstück im Freien wartet ein Tag voller Erlebnisse.
Das seit über 200 Jahren familiengeführte Gut liegt in der Region Alentejo, die nicht umsonst als Brotkorb Portugals gilt. Fruchtbare Böden, weite Landschaften und gelebte Traditionen prägen diesen Ort. Die Atmosphäre ist herzlich und authentisch – man fühlt sich weniger wie ein Gast, vielmehr wie bei guten Freunden.
Im Oktober und November dürfen Besucher bei der Olivenernte mithelfen. Auch Honig wird direkt vor Ort gewonnen, was faszinierende Einblicke in die Welt der Imkerei ermöglicht. Gemeinsam mit dem Küchenteam geht es durch die weitläufigen Gärten, um frische Zutaten für den anschließenden Kochkurs zu sammeln. Wein wird ebenfalls auf dem Anwesen produziert und selbstverständlich verkostet.
In den Restaurants stehen Einfachheit und Tiefe der Aromen im Mittelpunkt. Die Farm-to-Table-Küche basiert auf Rezepten und Methoden, die über Generationen weitergegeben wurden – und zeigt eindrucksvoll, wie subtil, ehrlich und bemerkenswert Portugals Küche sein kann.